Rudolf "Rudi" Dutschke
1940 im brandenburgischen Luckenwalde geboren, ist Rudolf "Rudi" Dutschke in der DDR aufgewachsen. Wegen öffentlicher Kritik am Militarismus bleibt ihm dort ein Studium der Sportjournalistik verwehrt. Dutschke siedelt 1961 nach West- Berlin über, kurz vor dem Mauerbau. Während seines Soziologiestudiums liest er Werke marxistischer und sozialistischer Autoren. "Rudi" entwickelt sich zu einem begabten Redner, der das "kapitalistische System" kritisiert und eine antiautoritäre Emanzipation fordert. Seine Organisation ist der "Sozialistische Deutsche Studentenbund" (SDS).
Die Studentenproteste wenden sich gegen den "Muff der tausend Jahre", der unter den Talaren der Professoren herrsche. Gegen die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD bildet sich eine breite "Außerparlamentarische Opposition" (APO). Kritisiert werden die sogenannten "Notstandsgesetze", die der Regierung bei einem "Notstand" weitere Befugnisse einräumen sollen. Zentral ist auch die zunehmende Ablehnung des US-amerikanischen Engagement in Vietnam.
Am 2. Juni 1967 protestieren die Studenten bei einem Besuch des persischen Schahs Pahlewi. Ein Kriminalobermeister wähnt sich umstellt, schießt und trifft den Studenten Benno Ohnesorg tödlich. Demonstrationen, aber auch Ausschreitungen sind die Folgen.
Der Anschlag auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 findet nicht im luftleeren Raum statt. Bei dem Schützen Bachmann findet man ein Ausschnitt der rechtsextremen "National-Zeitung" vom 22. März. Oberhalb von fünf Photos Dutschkes steht dort die Schlagzeile: "Stoppt Dutschke jetzt! Sonst gibt es Bürgerkrieg". Am 10. April kritisiert Pastor Heinrich Albertz, bis März 1968 Berliner Regierender Bürgermeister, die an- und aufgeheizte Atmosphäre bei einer "Gegendemonstration". Dort ist ein Dutschke-"Doppelgänger" fast gelyncht worden. - Besucher des Hauses finden diesen Redeausschnitt und andere im Informationszentrum (D97/331; z. B. auch die von Dutschkes Frau Gretchen verfaßte Biographie; B97/1039).
Am 11. April nach dem Attentat kämpfen die Ärzte um Rudi Dutschkes Leben. Die studentische Jugend ist durch das Attentat aufgebracht. Sie richtet ihre Wut gegen die Springer-Presse und die Berliner Landesregierung. Der DDR-Liedermacher Wolf Biermann sieht in seinem Song "Drei Kugeln auf Rudi Dutschke" eine Mittäterschaft des Berliner Senats, der Bundesregierung und der Springer-Zeitungen. Diese stellen etwa ein Drittel der Gesamtauflagen, der in der Bundesrepublik erscheinenden Zeitungen, sonntags neun Zehntel.
Ein Flugblatt des SDS vom gleichen Tage - es hängt in der Dauerausstellung des Museums- hält diese Medienmacht für mißbraucht: " Man kann jetzt schon sagen, da dieses Verbrechen nur die Konsequenz der systematischen Hetze ist, welche Springer-Konzern und Senat in zunehmendem Maße gegen die demokratischen Kräfte dieser Stadt betrieben haben ".
In Berlin wird das Springer-Hochhaus angegriffen, es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Auf beiden Seiten gibt es Verletzte. In der gesamten Bundesrepublik entstehen Unruhen. Aus den Protesten wird eine Revolte, für manche später: eine "Revolution" oder der Terrorismus der "Roten Armee Fraktion" (RAF). Justizminister Gustav Heinemann appelliert an die Vernunft beider Seiten:
"Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, daß in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen".
Rudi Dutschke überlebt das Attentat. Die Bild-Zeitung titelt: "Dutschke flucht wieder"! Er nimmt nach einer langen Genesungsphase wieder an der öffentlichen Diskussion teil und wirkt bei der Entstehungsphase der "Grünen" mit. Von den Schüssen erholt er sich jedoch nie mehr völlig. Er lebte danach kaum noch in Deutschland, doch kämpfte er weiter "leidenschaftlich gegen den Strom für dieses Deutschland", wie seine Frau schreibt. Rudi Dutschke stirbt Weihnachten 1979 in Arhus / Dänemark an den Spätfolgen des Attentats vom 11. April 1968.
Die Revolution, das war das Leben von Rudi Dutschke, der Bruch mit dem herrschenden System sein Ziel. Dutschke symbolisierte die Studentenrevolte von '68. Mit seinen Ideen und Reden faszinierte und polarisierte er die Menschen.
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