Der letzte Flug des Ernst Koppers
Es war 1944, das Ende des Krieges näherte sich. Ernst Kopper, ein Farmer
aus den USA, flog in einer Jagdstaffel der Amerikaner. Es war Herbst,
neblich-trüb. Ernst Kopper hatte Zuhause eine Frau, zwei Kinder
und 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Kurz vor Hitlers
Machtübernahme waren er und seine Familie nach Amerika ausgewandert -
Kopper haßte Deutschland; die Landschaft, die Leute, die Atmosphäre. Sein Bruder, genau das Gegenteil zu ihm, war als ein glühender Verehrer Deutschlands zurück. Sie hatten seitdem keinen Kontakt mehr miteinander gehabt.
Zur Zeit befand sich Kopper auf dem provisorischen Fliegerstützpunkt und
beobachtete die Mechaniker mißtrauisch bei ihrer Arbeit. Am liebsten
hätte er seine Maschine selbst repariert - er konnte es. Doch seit er
damals die Tragflächen seiner Maschine erweitert hatte - ohne zu bedenken
das sie dann nicht mehr in den Hangar paßte -, hatte ihm sein
Staffelführer jegliche Reparaturarbeiten an seiner und jeden anderen
Maschine verboten. Er lächelte grimmig, als ihm einer der Mechaniker
mit einem breiten Grinsen sagte, daß seine Maschine überholt und
getankt sei und er starten könne.
Kopper rollte seinen Jäger langsam auf die Start- & Landebahn. Die
restlichen Maschinen seiner Staffel standen schon zum Abflug bereit. Dies war
sein letzter Flug in dieser Maschine, in dieser Staffel - danach würde er
wieder Zuhause sein, an seiner eigenen kleinen Maschine herumbauen wie es ihm
paßte - ohne lästige Vorgesetzte. Seine Staffel bekam vom Tower die
Starterlaubnis und sie starteten. Die Sicht war schlechter als erwartet und
nahm ungewöhnlicherweise mit zunehmender Höhe weiter ab. Der
Staffelführer wies sie an, enger als gewöhnlich beisammen zu fliegen. Sie flogen die gewöhnliche Route. Kopper dachte wieder sehnsüchtig an Zuhause und seine eigene Maschine, mit der er nicht an irgendwelche Routen gebunden war, mit der er dahin fliegen konnte, wohin er wollte. Plötzlich entdeckte er auf seinem Radar ein ihm nicht bekanntes Flugzeug. Er machte sich keine Gedanken mehr über den Befehl seines Staffelführers. Er schaltete das Funkgerät aus und drehte ab, in Richtung des unbekannten Flugzeugs. Durch den Nebel in seiner Sicht behindert flog er hauptsächlich nach dem Kompaß dem Radar - und seinem Gefühl. Erst als er sich auf einige hundert Meter genähert hatte, wußte er, was er vor sich hatte: Einen deutschen Phantomjäger, die gefürchtetste Maschine. Doch sie sah sehr mitgenommen aus. Es wunderte Kopper das der Pilot sich so weit in besetztes Gebiet vorgetraut hatte - entweder müssen seine Navigationssysteme komplett kaputt oder der Pilot wahnsinnig sein. Eine andere Möglichkeit schloß Kopper aus.
Er drehte sofort ab, als er merkte das der feindliche Pilot ihn bemerkt hatte,
flog einen kleinen Bogen- die klassische Angriffsstellung, wie im Lehrbuch
beschrieben. Kopper beschleunigte ruckartig und eröffnete das Feuer. Doch
auf einmal stand der Phantomjäger hinter ihm und beschoß ihn- ein
Triebwerk ging in Flammen auf. Kopper drehte bei, beschoß noch einmal
den Phantomjäger, mit der Hoffnung, Schaden anzurichten, bevor das zweit
Triebwerk auch ausfiel und er zur Notlandung ansetzte. Er sah die Felder immer
schneller immer näher auf sich zukommen, seine Hände verkrampften
sich am Steuerknüppel.
Er öffnete in fast panischer Hast die Kanzel, als er merkte, das er mit
dem Jäger keine Chance mehr hatte, sprang hinaus und zog an der Reisleine
seines Fallschirms. Er sah seinen Jäger in ein Feld einschlagen und in
Flammen aufgehen. Ihm lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter, als
er daran dachte, daß er sich noch vor ein paar Sekunden selbst in der
Maschine befunden hatte.
Auf einmal hörte er ein schrilles Triebwerkskreischen und sah, wie der
Phantomjäger dem Erdboden entgegen schoß. Eine sadistische Freude
erfüllte ihn, als er sah wie der deutsche Pilotversuchte, seine Kanzel
abzusprengen, es aber nicht mehr rechtzeitig schaffte. Bevor sein Fallschirm
sich öffnete, schlug er auf das Feld auf - direkt neben Koppers Maschine.
Als Kopper unweit der Absturzstelle galant gelandet war, entledigte er sich
seines Fallschirmes, entsicherte sein Sturmgewehr und rannte geduckt los. Als
er an der Todesstelle des Deutschen ankam, wurde er kalkweiß vor
schrecken.
Die ausgerückte Suchtruppe fand Kopper später tot neben dem halb
zerschmetterten Leichnam des deutschen Pilotens. Kopper hatte sich selbst mit
seinem Sturmgewehr erschossen. Bis auf den Kopf war der Körper des
Deutschen zur Unkenntlichkeit zerschmettert. Das Gesicht hatte eine
verblüffende Ähnlichkeit mit dem von Ernst Kopper...
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