OPFER

Letzte Woche lief ich durch die nassen Straßen, auf ein Blumengeschäft zu. Ich kaufte eine weiße Rose. Ich nahm sie, und trat wieder hinaus auf die vom Regen leergefegten Straßen des Abends. Der Regen wurde heftiger. Zum Glück war die Rose gut verpackt, so daß ihr nichts passieren konnte. Langsam ging ich meines Weges. Die Rose legte ich am Ort der Trauer nieder, den Opfern von Nagasaki, Hiroshima, den toten Zivilisten im Vietnamkrieg und im Koreakrieg gedenkend. Meine Rose lag da, im Regen, alleine und verlassen. Was ihr am nähsten lag, war eine zerknüllte, achtlos weggeworfene Zigarettenschachtel. Ich stand da, ebenfalls ziemlich allein und verlassen, auf einem Platz, auf dem tausende stehen sollten, und murmelte mein Freidensgebet, den dunklen, schwarzen Wolken des Nachthimmels entgegen.
Ich tue dies immer, wenn es Abends regnet. Den die vielen Regentropfen erinnern mich an die zehntausenden Toten, die unschuldig sterben mußten, "legal" ermordet wurden, zu tode gebombt, in einem "sauberen" und "legalen" Krieg.
Gestern regnete es wieder. Ich ging zum Blumengeschäft. Doch schon von weitem sah ich ein Schild in der Türe hängen. Als ich näher kam, konnte ich "Rosen ausverkauft!" entziffern. Ich wunderte mich, kaufte dann aber eben eine Tulpe. Als ich zum Ort der Trauer kam, erlebte ich meine nächste Überraschung- er war überrfüllt von abertausenden Menschen, und zwischen den vielen Rosen fand ich kaum noch ein Platz für meine Tulpe. All diese Menschen beteten, weinten oder starrten mit verzerrtem Gesicht vor sich hin.
Nach einiger Zeit wagte ich es, einen Mann, der gerade am gehen war, zu fragen, worüber diese vielen Menschen trauern- auch um die zehntausenden "legalen" Toten? Der Mann wußte offensichtlich nicht, was ich meinte. Er schüttelte den Kopf und erklärte mir, das diese Menschen um die 6000 Menschen trauern, die bei dem Anschlag auf das World Trade Center in New York vorgestern gestorben sind. Der Mann ging. Ich war fassungslos. Als ich nach ein paar Sekunden anfing, hysterisch zu lachen, sahen mich einige Menschen, die in den hinteren Reihen standen teilnahmsvoll an. Eine ältere Frau sagte zu ihrem Mann: "Die jüngere Generation trifft es besonders hart!" Ich lachte noch lange so...Sie hatten nichts verstanden...All die Jahre...Nichts!...Einfach Garnichts!...Warum?...Wieso will mich einfach keiner verstehen?...Was ist nötig, um diesen naiven, braven Durchschnittsbürgern die Augen zu öffnen???


X!


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