Solidarischer Anarchismus nach Proudhon
-Das Eigentum
Das Eigentum ist unmöglich, weil es die Mutter der Tyrannerei ist ... weil es die Verneinung der Gleichheit ist.
(Proudhon, 1971: 165, 177)
Proudhon definierte das Eigentum nicht unbedingt als Privateigentum- er definierte es als Eigentum, das die Vorraussetzung für
arbeitsloses Einkommen ist, wie Zins, Miete, Pacht, Dividende, Einkommen aus Aktien, Wertbriefen, aus dem arbeiten lassen, statt selbst zu arbeiten.
Dieses Einkommen ist Diebstahl an denen, die dafür arbeiten müssen, somit diebstahl an der arbeitenden Unter- und Mittelschicht der Gesellschaft.
Ernsr Blocher definierte diesen Teil der "Proudhonschen Lehre" wie folgend:Die Grundlage des bürgerlichen Individuums bleibt also erhalten, jedoch
in utopischer Breite: alle Menschen werden zu bescheidenen Besitzern erhoben, das Eigentum des Besitzers muß nur so klein gehalten werden, daß es
kein Mittel zur Unterjochung anderer bildet.Dies käme einem Großteil der heutigen Weltbevölkerung sehr entgegen- so viel zu besitzen, daß mensch
sich keine Sorgen mehr um seinen Lebensunterhalt machen muß, sich somit anderen Problemstellungen, über den eigenen Tellerrand hinaus, stellen kann, an ihnen
aktiv arbeiten kann. So z.B. das allewige Problem der Politik, die noch nie alle auch nur annähernd zufrieden gestellt zu haben scheint. Jedoch- mach mal einer
Bill Gates oder Gerhard Schröder, oder auch nur Joschka Fischer diese Theorie schmackhaft. Denn die Umsetzung allein dieses kleinen, hier kurz angerissenen Fragment der
"Proudhonschen Lehre" bedarf entweder einer breiten Bewegung, oder der Umsetzung durch die Reichen dieser Welt. Und das schaffe erstmal einer. Aber auch hier sei Freund Che zitiert:
"Let us be realist- let us be insist on the impossiple!"
Besitz für alle bedeutet jedoch die Schaffung einer Gesellschaft von autonomen Kleineigentümern und Kleinproduzenten, eine agrarische und handwerkliche Zivilisation. Dies wäre aber,
von unserem heutigen, hoch-industrialisierten, Standpunkt (Level) aus ein Rükschritt in mittelalterlich anheimelnde Gefielde. Betrachtet mensch die Sache jedoch vom sozial-menschlichen Aspekt aus,
kann dieser industrielle Rückschritt nur ein Fortschritt für die Menschlichkeit sein: Nie wieder Tote bei Anti-Globalisierungs-Demos, da eine Globalisierung faktisch nicht vorhanden ist, die
Vorraussetzungen für einen Krieg im heutigen Sinne werden nicht mehr gegeben sein, so daß es warscheinlich eher bald ein massives Problem der Überbevölkerung geben wird. Die Bildung
wird für ausnahmslos alle zugänglich sein, wodurch sich die Menschheit in Potenzen-Sprüngen durch die Wissenschaften bewegen wird.
Desweiteren definierte Proudhon das Eigentumsrecht auf Land und Produktionsmittel um: Nur solange der Besitzer sie durch eigene Arbeit nutzt, soll das Recht jeweils gelten. Somit wäre den Grundstückspekulanten
und den Prestige-Besitzern endlich mal ein Riegel vorgeschoben, und Land und Prduktionsmittel können effektiver und besser genutzt werden!
-Der Mutualismus
Der Mutualismus ist das Prinzip der Gegenseitigkeit.
Das Prinzip des ökonomischen Waren- und Leistngsverkehrs in der Solidarischen Anarchie sah Proudhon über eine sog. Tauschbank (banque d'échange),
gleich den heutigen Tauschringen, vor: Gegen bestimmte Verrechnungseinheiten ("Arbeitszeitververschreibungen") kann jeder auf der Basis des Tauschhandels eigene Produkte und Leistungen gegen die Anderer eintauschen.
Dieses Grundprinzip ist sehr einfach gehalten, und in seinem Ursprung heute bestimmt nicht mehr auf breiter Basis realisierbar. Es bedarf jedoch nur einer Perfektionierung, Ausreifung um es, meiner meinung nach, flächendeckend
umzusetzen.Di Volksbank (operiert) zum Vorteil ihrer Klienten und hatten weder Zinsen für ihre Vorschüsse noch eine Kommissionsgebühr für ihr Diskonto zu nehmen; sie hatte bloß eine kleine Vergütung
für Lohn und Kosten zu erheben. Der Kredit war also UNENTGELDLICH. War das Prinzip einmal realisiert, so mußten die konsequenzen bis ins Unendliche sich entwickeln.
(Proudhon 1969: 149)
Da die französische Volksversammlung den Plan der Tauschbank ablehnte, gründete Proudhon eine eigene. Der große Erfolg -in ca. 6 Wochen 20.000 Mitglieder- zeigte die Resonanz dieser Zinslosen Bank bei der Bevölkerung.
Der Versuch mußte jedoch abgebrochen und die Bank liquidiert werden, da ihr Gründer aus politischen Gründen verhaftet wurde. Die Besonderheit an der Proudhonschen Tauschbank war, daß der Wert der Ware nicht
von Verfügbarkeit und Nachfrage bestimmt wurde, sondern nach der für die Ware aufgebrachte Arbeitszeit. Dieses Prinzip ist sehr einfach- denn es gibt auch Waren, für deren Herstellung bestimmte Fähigkeiten, Talente oder
sonstiges nötig sind.
Dieses Mutualitätsprinzip läßt sich auch auf das gesamte Leben übertragen, wie es Proudhon auch getan hat: Gegenseitige Hilfe löst das staatliche Gewaltprinzip ab, das heißt: Solidarität statt
(Staats-)Gewalt, das heißt weiter: Solidarität auf der Basis von freien Verträgen und nicht (Staats-)Autorität aufgrund von Gesetzen.
-Der Drang zur Freiheit
Proudhons Gedanke der Freiheit, der Gedanke der Freiheit in der Solidarischen Anarchie, basiert auf der Überlegung, daß kein Mensch dazu befähigt ist, andere Menschen zu beherrschen
und zu regieren, da alle Menschen gleich sind, und das nicht nur vor dem Gesetz, bzw. selbst da!"Die Regierung des Menschen durch den Menschen ist Sklaverei!"
(Proudhon 1969: 22)"Regiert sein, das heißt unter polizeilicher Überwachung stehen,
inspiziert, spioniert, dirigiert, mit Gesetzen überchüttet, reglementiert, eingepfercht, belehrt, bepredigt, kontrolliert, eingeschätzt, abgeschätzt, zensiert, kommandiert zu werden durch Leute, die weder das Recht noch das Wissen noch die Kraft dazu
haben [...] Regiert sein heißt, bei jeder Handlung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewegung notiert, registriert, erfaßt, taxiert, gestempelt, vermessen, bewertet, versteuert, patentiert, lizensiert, autorisiert, befürwortet, ermahnt, behindert,
refomiert, ausgerichtet, bestraft zu werden. Das heißt, unter dem Vorwand der öffentlichen Nützlichkeit und im Namen des Allgemeininteresses ausgenutzt, verwaltet, geprellt, ausgebeutet, monopolisiert, hintergangen, ausgepreßt, getäuscht, bestohlen zu werden;
schließlich, bei dem geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, bestraft, heruntergemacht, beleidigt, verfolgt, mißhandelt, zu Boden geschlagen, entwaffnet, geknebelt, eingesperrt, füsiliert, beschossen, verurteilt, verdammt, deportiert,
geopfert, verkauft, verraten, und obendrein verhöhnt, gehänselt, beschimpft und entehrt zu werden."
(Zit. n. Guérin 1967: 17f.)(Die Freiheit in der Demokratie) ...nur im Augenblick der Wahlen und zur Bildung der gesetzgebenden Gwalt ganz rein existiert. Sowie dieser
Augenblick vorüber ist, zieht sich die Demokratie in sich selbst zurück und beginnt ihre antidemokratische Arbeit; sie wird Autoritär."
(Ebd.: 41f.)Proudhon bezeichnet die Anarchie in seinen Schriften als die höchste Stufe der Gesellschaftsentwicklung
der Menschheit. Die Solidarische Anarchie basiert auf gegenseitige Solidarität höchsten Grades, in allen Situationen, auf Selbstbestimmung jedes Einzelnen, frei nach dem Motto: Wenn du nicht willst, daß dir jemand in die Suppe spuckt, dann spucke niemand anderen in die Suppe!
In gewisser Weise setzt sie auch (vom heutigen Standpunkt aus gesehen) ein hohes Maß von Selbstbeherrschung, bzw. Enthaltsamkeit vorraus: Jeder Mensch kann und wird besitzen, was er zum Leben benötigt, vielleicht auch etwas mehr, aber niemand wird jemals soviel besitzen, wie so manch
einer heute. Sie bedeutet ein Netz freier Verträge zwischen den Menschen, Komunen, Industrien, Konföderationen(auf politischer Ebene). Die Konföderationsverträge sollen, nach Proudhon, die Gegenseitige Autonomie und Handlungfreiheit garantieren, und im wesentlichen zum
"Zweck gegenseitiger Verteidigung" sein. "So ist eine Konföderation eine Friedensgarantie sowohl für ihre Mitglieder, als auch für ihrenicht mit ihr verbündeten Nachbarn." (Proudhon 1989: 89f)
Dies bietet den Traum vom Weltfrieden an, da alle sich militärische
Unterstützung im Verteidigungsfall, jedoch nicht im Angriffsfall zugesichert haben- wenn Weltweit Konföderationsverträge existieren- wer soll den da noch angreifen (außer dem amoklaufgefähredeten, satanischen, blutsüchtigen, gnadenlosen Aliens)?
-Träume nicht dein Leben...
In der harten Realität der Neuzeit sieht das Ganze sehr unrealistisch aus. Zwar wahr, aber nicht allzu schlimm, da die Zukunft in unserer Hand liegt. Wenn wir heute noch beginnen, unser eigenes Leben umzukrempeln, versuchen auf die Anarchie hin zu arbeiten, und sei es auch nur durch Kompromisse,
so werden vielleicht irgendwann unsere Nachkommen in den Genuß der absoluten Solidarischen Anarchie kommen.
Tretet der staatliche Repression offen, aber nicht dumm, entgegen! ...Und: Zeigt die Zähne wenn ihr den Mund auf macht!
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